Ramessidische Beamtengräber in der thebanischen Nekropole
Das Projekt von Prof. Dr. Jan Assmann (Projektleitung) und Prof. Dr. Hans-Werner Fischer-Elfert (Projektleitung 2005-2010) sowie Prof. Dr. Erika Feucht, Dr. Karl-Joachim Seyfried, Prof. Dr. Friederike Seyfried, Dr. Eva Hofmann und Dr. Sabine Kubisch (wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter) wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und lief von 1978 bis 2001 und von 2005 bis 2010. Es befasste sich mit Beamtengräbern der 19. und 20. Dynastie in der Thebanischen Nekropole auf dem Westufer des Nils gegenüber dem heutigen Luxor.

Projektbeschreibung
Für insgesamt fast 30 Jahre setzte sich das Heidelberger Ägyptologische Institut für die Dokumentation und Erhaltung der dekorierten und vom Verfall bedrohten Beamtengräber der Ramessidenzeit (13.–12. Jh. v. Chr.) in der thebanischen Beamtennekropole ein. Mit diesem Ziel wurde unter der Leitung von Prof. Jan Assmann, mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft und in Kooperation mit der Ägyptischen Altertümerverwaltung (SCA) im Jahr 1978 das sog. Ramessidenprojekt ins Leben gerufen. In den Jahren 2005-2010 ergab sich darüber hinaus eine Zusammenarbeit mit der University of Pennsylvania, Philadelphia, und mit dem Ägyptologischen Institut der Universität Leipzig.
Die Gräber dieser Zeit waren bisher so gut wie unpubliziert und galten als inhaltlich unergiebig und stilistisch dekadent. Hier war ein wissenschaftliches Vorurteil zu revidieren, stellen die thebanischen Gräber doch Quellen ersten Ranges für die ägyptische Religionsgeschichte dar.
Nach dem Abschluss der Publikations- bzw. Dokumentationsarbeiten an den thebanischen Gräbern des Nefersecheru (TT 296), Amenemope (TT 41, Abb. 1), Amenmose (TT 373), Paenkhenemu (TT 68), Djehutiemhab (TT 194), Neferhotep (TT 257), Neferrenpet (TT 178), Paser (TT 106), Nedjemger und Hori (TT 138 und 259) sowie des Parennefer (-162-) wurde im Oktober 1998 mit der Aufnahme des Grabes des Nebsumenu (TT 183) begonnen und nach 3 Kampagnen nahezu abgeschlossen. Die Aufnahme wurde hauptsächlich durch den Max-Planck-Forschungspreis, der 1996 an Jan Assmann und Mohammed Saleh verliehen wurde, finanziert.
Die Basis des Projektes bildet das sog. Theben-Archiv, in dem alle bekannten Informationen über die thebanischen Gräber zusammengetragen werden und das mittlerweile einen wohl einmaligen Fundus an Fotos und Informationen bietet.
TT 183 – Das Grab des Nebsumenu
Das Grab des „Großen Vermögensverwalters des Herrn der beiden Länder“ namens Nebsumenu (TT 183) ist am Fuße des Hügels von el-Khokha gelegenen und datiert in die zweite Hälfte der Regierungszeit Ramses' II. Die Ausgrabung des Vorhofes des Grabes trifft auf die bekannte Problematik, die eine teilweise dicht besiedelte Nekropole naturgemäß mit sich bringt. Wie aus der Grundriss-Skizze (Abb. 2) hervorgeht, befindet sich über der südwestlichen Ecke des Vorhofes ein größerer moderner Häuserkomplex. Durch dieses Wohnhaus war es nur teilweise möglich, den Vorhof freizulegen. So kann vorläufig über das ungewöhnliche Dekorationsprogramm der Vorhofwände keine endgültige Aussage gemacht werden. Dies ist umso bedauerlicher, da im thebanischen Raum nur noch selten Hofdekoration bei Privatgräbern erhalten ist. Des Weiteren konnte eine umlaufende Pfeilerstellung, die sich an die aus dem anstehenden Gestein gewonnene Portikusstellung der Grabfront anschließt, festgestellt werden. Einige dieser Pfeiler dürften an ihrer Schauseite und innerhalb eines Rücksprunges eine halbplastisch gearbeitete, fast lebensgroße Darstellung des Grabherrn im Gebetsgestus aufgewiesen haben. Die Fotomontage (Abb. 3) soll eine Vorstellung von solch einer Pfeilerfrontplastik vermitteln.


Die Architektur der Grabinnenräume weist keine größeren Besonderheiten auf. Die Anlage besteht aus einer etwa 8 m breiten Querhalle, einer etwa 11 m langen Längshalle und einer Kapelle. Bei der Freilegung der Innenräume ergab sich allerdings eine überraschende Problematik. Schon bei der Reinigung der Längshalle stießen das Grabungsteam auf eine Treppenkonstruktion, die fast die gesamte Dekorationsfläche der nördlichen Längswand durchbricht. Diese Treppenanlage (Abb. 4) führt von der Decke in der Nordostecke der Längshalle – schräg zur Grabachse verlaufend – auf das Bodenniveau dieses Raumes, um sich dann in dessen Boden und am Anfang der anschließenden Kapelle in die Tiefe fortzusetzen (doppelt gestrichelte Linie in Abb. 2). Demnach wurde bei den Ausbrucharbeiten zur Längshalle die unterirdische Anlage eines älteren, höher gelegenen Grabes angeschnitten, und der Boden musste planiert sowie die Wand mit Flicksteinen aufgemauert werden. Auf die Fortsetzung dieses Treppenabstieges stieß man erneut bei der Freilegung der ramessidischen sloping passage, deren Zugang sich im ersten Drittel der südlichen Kapellenwand befindet. Ein kurzer Gang knickt nach etwa 2 m nach Westen ab, führt schräg nach unten in die Tiefe und trifft nach etwa 5–6 m auf einen horizontal geführten Quergang der älteren Anlage. Mit diesem Zusammentreffen der beiden "Unterwelten" sind die baulichen Aktivitäten des Nebsumenu in diesem Grababschnitt offensichtlich beendet, und der Grabherr nutzte die weiter folgenden älteren Gänge und Räume für seine eigene Bestattungsanlage. Dass Nebsumenu und seine Gattin Baket-Mut diesen Teil des Grabes tatsächlich selbst genutzt haben, wird einerseits durch mehrere beschriftete Artefakte in der Sargkammer, andererseits anhand dekorierter Türrahmenfragmente aus Kalk- und Sandstein, die aus der unterirdischen Passage stammen, mehr als wahrscheinlich.


Neben der zum Teil noch sehr gut erhaltenen Reliefdekoration (Abb. 5) der Wände ist vor allem die außergewöhnliche Deckenbemalung zu erwähnen (Abb. 6). Sie besteht nicht, wie sonst üblich, aus ornamentalen oder floralen Mustern, sondern aus Texten und zahlreichen Vignetten aus dem Totenbuch, die von Dr. Mohammed Saleh bearbeitet werden. Die Ausstattung der Decke mit diesen Szenen und Texten ist nicht völlig einmalig, in dieser Fülle an Bildern und in dieser Qualität aber außergewöhnlich.


Eine zu einem unbekannten Zeitpunkt erfolgte partielle Reinigung der Grabanlage ließ keine besonderen Funde erwarten. Dennoch ergaben sich aus dem üblichen „Nekropolenschutt“ noch einige interessante Beobachtungen. Neben einer großen Anzahl von dekorierten Kalk- und Sandsteinfragmenten, die größtenteils zu den Hofwänden und den aufgemauerten Pfeilern des Hofes gehören, fand sich im Gemenge der kurz und klein geschlagenen Bestattungsreste aus der Spätzeit auch eine beachtliche Anzahl von Mumienbinden mit Schrift- und Dekorationsresten. Ein weiteres Objekt, das aufgrund seiner weitgehenden Vollständigkeit und seiner Datierung von besonderem Interesse ist: Aus einem Schacht im Vorhof, der erkennbar nicht zur Anlage des Nebsumenu gehört, stammen die Scherben eines nahezu vollständig rekonstruierbaren Eingeweidegefäßes mit einem dazu passenden und kaum beschädigten, anthropomorphen Verschluss (Abb. 7). Dieser fand sich auf dem Kopf stehend, mit dem Gesicht zur Raumwand ausgerichtet – und daher wohl von Plünderern zur späteren Mitnahme dort deponiert – am Übergang der Schachtsohle zum anschließenden Bestattungstrakt. Eine stilistische Datierung dieses Objektes verweist auf die 18. Dynastie und dürfte mitsamt den angesprochenen Schachtanlagen ein weiteres Indiz für die in diesem Bereich während der Ramessidenzeit gestörten bzw. teilweise beseitigten Grabanlagen der vorangegangenen Dynastie darstellen.
Von einer oberirdischen Anlage, die in Form einer Ziegelpyramide zu erwarten wäre, konnten wir bisher nicht die geringsten Spuren feststellen. Sie könnte direkt über der Grabanlage oder aber in weiterer Entfernung am steileren Hang des Khokha-Hügels gelegen haben.
Ein besonderes Merkmal dieses Grabes soll zum Schluss noch erwähnt werden, und dies ist der Name des Grabes. Nur ein einziges weiteres Grab der thebanischen Nekropole besitzt ebenfalls einen Eigennamen, es ist also eine seltene Besonderheit. Die entsprechende Textstelle lautet folgendermaßen: "Die Grabanlage des Osiris, des Festleiters Nebsumenu, gerechtfertigt, – Amun hat sie (i.e. die Grabanlage) gegeben –, ist ihr schöner Name". Die Bezeichnung des Grabes als ein "Geschenk des Amun" zeigt überdeutlich die unmittelbare Gottesnähe des Individuums, das keiner königlichen oder priesterlichen Vermittlung mehr bedarf. Der Schritt vom loyalen Gefolgsmann, dessen Ergebenheit der König durch seine göttliche Gnade und Gunst belohnt, zu einem allein aufgrund seiner Taten und persönlichen Eigenschaften vor dem Totengericht "Gerechtfertigten" könnte kaum deutlicher sein.
TT 157 – Das Grab des Nebwenenef
Das letzte Grab, das vom Ramessidenprojekt bearbeitet wurde, war das größte ramessidische Privatgrab auf dem thebanischen Westufer des Nil in Oberägypten (Abb. 8) – das Grab des Hohepriesters des Amun Neb-wenenef (TT 157). Das Grab ist in Dra’ Abu el-Naga-Süd gelegen, nicht weit entfernt vom Tempel der Hatshepsut in Deir el-Bahari und oberhalb des modernen Dorfes Dra' Abu el-Naga (Abb. 9). Es war eines der reichhaltigsten und interessantesten Gräber, allerdings blieb dessen Tür dem Ramessidenprojekt lange Zeit verschlossen. Die Grabungskonzession für dieses und weitere Gräber in dieser Gegend hatte die University of Pennsylvania inne, die dort 1967 unter der Leitung von Lanny Bell die Grabungs- und Dokumentationsarbeiten aufnahm. Nach nur vier Kampagnen wurde die Grabungstätigkeit in Dra Abu el-Naga Süd beendet, die Konzession blieb jedoch bei der der Pennsylvania University, Philadelphia. Erst 2001 konnte das Ramessidenprojekt eine Zusammenarbeit mit dieser Institution vereinbaren.


Im Oktober 2002 fand ein Survey statt, bei dem das Grab besichtigt und der Zeitaufwand, die zu bewegenden Schuttmengen sowie das benötigte Material geschätzt wurden (Abb. 10). Anhand dieser Planungen erfolgte ein Forschungsantrag bei der DFG, nach dessen Bewilligung die Grabungsarbeiten von Angehörigen der Universitäten Heidelberg und Leipzig fortgesetzt und inzwischen beendet werden konnten (Abb. 11).


Durch die moderne Überbauung des Geländes bzw. die Abtragung dieser Wohngebäude in jüngster Zeit ergab sich als eine erste Aufgabe die Klärung der Vorhofsituation sowie die Lokalisation und Ausgrabung der Vorhofschächte. Außerdem waren die Innenräume und die weitläufige unterirdische Bestattungsanlage vom Schutt zu säubern. Die Grabungsarbeiten in den Innenräumen waren bereits von den amerikanischen Kollegen begonnen worden, die Querhalle, die Längshalle und die unterirdische Anlage waren schon etwa zur Hälfte ausgegraben.
Der zweite Arbeitskomplex bestand in der zeichnerischen Dokumentation der Wanddekoration – ein anspruchsvolles Unterfangen, da die Dekoration zwar von hoher Qualität ist, in der Vergangenheit aber bereits etliche Zerstörungen erfahren hat. An manchen Stellen sind deutliche Beraubungsspuren sichtbar (Abb. 12). Auch die Stuckreliefs haben im Laufe der Zeit Zerstörungen erfahren. Große Partien sind zum Teil komplett abgefallen. Dieser Verlust dürfte mit immer wieder auftretenden Erdbeben in Verbindung stehen. Zudem wurde das Grab in koptischer Zeit bewohnt und als Tierstall genutzt, d.h. die Wände sind zum einen durch den Ruß der Kochfeuer stark geschwärzt, zum anderen in den unteren Bereichen von den Haustieren (Ziegen, Esel, Schafe u.ä.) abgerieben worden.


Architektur des Grabes
Die Querhalle ist zweischiffig angelegt, ca. 30 Meter lang und 7 Meter breit (Abb. 13). Die Decke wird durch eine Reihe von 12 Pfeilern gestützt. An den Schmalseiten der Querhalle wurden rechts und links der Pfeiler jeweils 2 Statuengruppen, bestehend aus Figuren des Grabherrn und seiner Gattin, aus dem Fels geschlagen (Abb. 14). Die Vorderseiten der Pfeiler waren ebenfalls figürlich gestaltet. Sie zeigen den Grabherrn als halbplastische Stauen in osirianischem Habit (Abb. 15). Die Querhallenwände und die Pfeilerseiten wurden aufwendig mit feinem erhabenem und bemaltem Relief dekoriert, in den hinteren Bereichen, wo übrigens auch die Steinqualität deutlich schlechter ist, findet sich bemaltes Stuckrelief bzw. auf den Pfeilern nur Malerei. Auch die Decken waren sicher einst dekoriert, davon sind allerdings keine Spuren mehr erhalten.


An die Querhalle schließt sich die Längshalle an. Sie wurde dreischiffig angelegt und durch 2 Reihen von je 6 Pfeilern gestützt. Im Gegensatz zur Querhalle sind die Wände der Längshalle mit detailreichen Malereien versehen worden. In der Längshalle und in der Kapelle wurden Wände und Pfeiler ausschließlich bemalt. Die unterirdische Anlage ist äußerst weitläufig. Nach einem mehrfach gewundenen und spiralförmig absteigenden Gang gelangt man in einen rechtwinkligen ebenen Gang, und von dort in eine Abstiegskammer mit Rampe für den Sarkophag (Abb. 16).
Diese Rampe führt in eine unterirdische Pfeilerhalle mit 8 Pfeilern. Von der Pfeilerhalle geht es in eine weitere Kammer mit Tonnengewölbe, von der aus eine weitere Rampe in die Sargkammer führt. Die Sargkammer hat ein Kar-Kapellen-Dach, die Wände wurden mit kleinen Nischen versehen. In einer Vertiefung am Boden fand sich der Boden eines Granitsarkophages, der zu den vielen hundert kleinen Fragmenten paßt, die man während der Ausgrabung gefunden hatte. Die Inschriftenreste auf dem Sarkophag bezeugen Nebwenenef als Besitzer. Weitere Hinweise auf seine Bestattung sind Uschebtis mit dem Namen des Nebwenenef aus Ton und Fayence.

In allen Teilen des Grabes findet man Szenen, die sich auf die Bestattung des Nebwenenef beziehen (Abb. 17). Im Vorhof wurden an der Fassade Szenen des Mundöffnungsrituals angebracht, außerdem lassen einige Fragmente auch auf Szenen im Zusammenhang mit der Bestattung schließen. Eine Darstellung des Bestattungszugs befindet sich auf der Ostwand der Querhalle. Ausschnitte aus dem Bestattungsritual, wie z. B. Räuchern und Libieren vor der Statue gehören zum Darstellungsprogramm der nördlichen Längswand der Längshalle.

Die Person des Grabherrn Nebwenenef
Als Hohepriester des Amun von Karnak bekleidete Nebwenenef eine der höchsten Stellungen im Ägypten des späten Neuen Reiches (Abb. 18). Er war kein gebürtiger Thebaner, sondern stammte ursprünglich wohl aus Dendera. Dort übte er wie schon vor ihm sein Vater und nach ihm sein Sohn das Amt des Hohepriesters der Hathor von Dendera aus, bis Ramses II. ihn nach Theben holte und zum Hohepriester des Amun machte. Dieses Ereignis fand im 1. Regierungsjahr Ramses‘ II. statt, wie wir aus dem Amtseinsetzungstext im Grab wissen. Er führte die Prozessionen des Amun während der großen Götterfeste an und spielte eine entscheidende Rolle, wann immer Amun über ein Orakel um Hilfe gebeten wurde. Es ist leicht denkbar, dass er auf weitreichende Entscheidungen das Land betreffend Einfluss nehmen konnte. Seine große Bedeutung wird auch anhand der Größe und Ausstattung seiner Grabanlage sichtbar.

Spätere Nutzung des Grabes als Bestattungsplatz
Das Grab des Nebwenenef erfreute sich auch später noch großer Beliebtheit, was sich über Belege aus zwei unterschiedlichen Richtungen nachweisen lässt. Zum einen sind dies die Erwähnungen von TT 157 als Grab als ‚Neb-un‘ in einigen demotischen Papyri und zum anderen bezeugen zahlreiche sekundäre Bestattungen im Grab und im Hof die Wiederbelgung der Anlage. In der unterirdischen Anlage fanden sich mehrere Räume und kleine Schächte, die aufgrund der Arbeitstechnik nicht zur Originalanlage gehören können. Außerdem wurden im Vorhof 5 – bis zu 11 m tiefe – Grabschächte entdeckt, die ebenfalls nicht zur Originalbestattung gehören.
Der Inhalt dieser Schächte war vollkommen durchwühlt und zerstört. Bei der Freilegung fanden sich Kalksteinfragmente, die wahrscheinlich zur Vorhofdekoration gehören und wohl durch ein Erdbeben oder bei Grabräubertätigkeiten in die Schächte gefallen sind. Außerdem wurden zahlreiche, völlig auseinadergerissene Mumienreste geborgen, die wie üblich auf der Suche nach wertvollen Objekten aus Gold oder nach Amuletten achtlos behandelt und zerstört wurden. Die Mumienbinden waren teilweise beschriftet, sowohl in Hieroglyphen, Hieratisch und Demotisch. Außerdem fanden sich größere Fragmente von Leichentüchern, meist von Frauen. Die Sargfragmente lassen sich unterschiedlichen Typen und Zeitstufen zuordnen, soweit das aufgrund des fragmentarischen Zustandes möglich ist. Demnach wurden die Schächte bis weit in die ptolemäische, evtl. sogar bis in die römische Zeit benutzt. Darüber hinaus fanden sich Bruchstücke von kleinen Figuren und Möbelteilen, nur wenig Keramik, Uschebtis aus Ton, Holz und vor allem Fayence, Ostraka, wenige Metallobjekte, Perlen, Amulette oder Werkzeug, des weiteren auch rezente Fundstücke.
In koptischer Zeit wurde das Grab nicht nur als Bestattungsplatz genutzt, sondern auch bewohnt. Spuren der Wohnbebauung fanden sich sowohl im Inneren des Grabes als auch im Hof, so z.B. Reste von zahlreichen Feuerstellen, Strohreste, Zwiebelschalen und Dum-Nüsse, Ziegelmauern, Stalleinrichtungen in der Querhalle und in der Längshalle. Die Längshalle und der nordöstliche Teil der Querhalle wurden als Tierställe benutzt, wie die Stroh- und Tierfutterreste, Urinspritzer und der Abrieb an den Wänden bezeugen. Den südöstlichen Teil der Querhalle verwendete man offenbar als Speicherraum (Abb. 19). Auch im Hof finden sich zahlreiche Einbauten aus koptischer Zeit. An die kompakte östliche Vorhofmauer fügte man kleine Räume an. Große Teile des Hofes wurden gepflastert. Außerdem fanden sich Speichergefäße, ein Webstuhl und weitere Einbauten, deren Zweck sich bislang noch nicht erschließen lässt (Abb. 20).


Publikationen
- TT 41, Amenemope: J. Assmann, Das Grab des Amenemope (TT 41), Theben III, Mainz 1991.
- TT 68, Paenkhemenu: K.-J. Seyfried, Das Grab des Pa-en-khemenu (TT 68) und die Anlage TT 227, Theben VI, Mainz 1991.
- TT 138/259, Nedjemger und Hori: E. Feucht, Die Gräber des Nedjemger und des Hori, Theben XV, Mainz 2006.
- TT 178, Neferrenpet: E. Hofmann, Das Grab des Neferenpet, gen. Kenro (TT 178), Theben IX, Mainz 1995.
- TT 194, Djehutiemhab: K-J. Seyfried, Das Grab des Djehutiemhab (TT 194), Theben VII, Mainz 1995.
- TT 257, Neferhotep: M. F. Mostafa, Das Grab des Neferhotep und Mahu (TT 257), Theben VIII, Mainz 1995.
- TT 296, Nefersecheru: E. Feucht, Das Grab des Nefersecheru (TT 296), Theben II, Mainz 1985.
- TT 373, Amenmose: K.-J. Seyfried, Das Grab des Amonmose (TT 373), Theben IV, Mainz 1990.
Für weiterführende Informationen zum Ramessidenprojekt siehe die Vorberichte:
- J. Assmann, Erster Vorbericht über Arbeiten des Ägyptologischen Instituts der Universität Heidelberg in thebanischen Gräbern der Ramessidenzeit, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 36, 1980, 23–32.
- K.-J. Seyfried, Zweiter Vorbericht über die Arbeiten des Ägyptologischen Instituts der Universität Heidelberg in thebanischen Gräbern der Ramessidenzeit, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 40, 1984, 265–276.
- K.-J. Seyfried, Dritter Vorbericht über die Arbeiten des Ägyptologischen Instituts der Universität Heidelberg in thebanischen Gräbern der Ramessidenzeit, in: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo 46, 1990, 341–353.
Publikationen in Vorbereitung
Table
| THEBEN NR. | Grab-Nr. | Name des Grabinhabers | Autoren | Anmerkungen |
|---|
| THEBEN NR. | Grab-Nr. | Name des Grabinhabers | Autoren | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
X (2 Bände) | 106 | Paser | J. Assmann, E. Hofmann, K.-J. Seyfried, F. Seyfried | sowie weitere Beträge: Ph. Martinez, K. Fischer, G. Menéndez |
XII (2 Bände) | 157 | Nebwenenef | K.-J. Seyfried | et alii |
XIV (2 Bände) | 162 | Parennefer | F. Seyfried | |
XVI | 183 | Nebsumenu | J. Assmann, E. Hofmann, M. Saleh, K.-J. Seyfried | et alii |
XVIII | 189 | Djehutinacht | P. Barthelmeß |

