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Fotothek

Die Fotothek des Ägyptologischen Instituts bestand einst aus weit über 9.000 Fotografien, die einzeln auf Kartons aufgeklebt und nach Objektkategorie sortiert in Schubern aufbewahrt wurden. Die Fotos konnten auf diese Weise für die Forschung und Lehre am Ägyptologischen Institut genutzt werden und waren damit die Vorgänger von Dias und etwa in PowerPoint-Präsentationen eingebundenen digitalen Bilddateien. 

Das Bild zeigt einen Blick in die Fotothek des Ägyptologischen Instituts. Im Vordergrund sind fünf Fotokartons zu sehen, im Hintergrund die Aufbewahrungsboxen im Regal.

Die Ursprünge der Fotothek und der Fotothek-Datenbank

Die Fotothek des Ägyptologischen Instituts in Heidelberg entstand in den Anfangszeiten des Instituts, das 1910 unter Hermann Ranke eröffnet wurde. Seither kontinuierlich erweitert wurde sie zu einem wichtigen Werkzeug für Lehre und Forschung der Institutsmitglieder. In den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts erstellte Stephan J. Seidlmayer mithilfe der Computersoftware LARS eine Datenbank, in welche Metadaten zur Fotothek eingearbeitet wurden, um die Suche nach Objekten und Motiven zu erleichtern. In monatelanger Arbeit erhoben die Institutsangehörigen vom Studenten bis zum Professor daraufhin die Daten der dargestellten Objekte und gaben sie in die Fotothek-Datenbank ein. 2017 wurde diese Fotothek-Datenbank von Fabian Wespi in eine xlsx-Datei überführt, die hier als Download für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt werden kann.

Ein Brand in der Fotothek

Im Februar 2004 entfachte eine unachtsam weggeworfene Zigarette einen Brand im sog. Doktoranden-Zimmer des Instituts am Marstallhof 4, in dem sowohl die Fotothek als auch die Diathek untergebracht waren. Während die Diathek in ihrem verschlossenen Schrank relativ gut geschützt war, fiel die Großzahl der Karton-Schuber, in denen die Fotos gelagert waren, den Flammen zum Opfer. Die wenigen Reste wurden – wiederum in einer konzertierten Aktion der Institutsmitglieder – auf mögliche weitere Benutzbarkeit hin gesichtet, auf neue Kartonpappen aufgezogen und in Plastikschubern untergebracht. Fotos, deren ursprüngliche Nummer nicht mehr rekonstruiert werden konnte, wurden in neu angelegten Schubern mit der Nummer 100 untergebracht.

Durch den Verlust vieler Fotografien im Brand aber auch durch die neuen Möglichkeiten des Internets und die voranschreitende Digitalisierung kam die Fotothek seit den 2000er-Jahren zunehmend außer Gebrauch. Die Fotothek wurde in dieser Zeit genauso wie die Diathek immer weniger genutzt, und dies, obwohl sie mit der Qualität vieler ihrer Fotos die anderweitig zugänglichen Bilddateien nicht selten um ein Vielfaches übertraf und weiterhin übertrifft.

Digitalisierung des erhaltenen Bestandes

Trotz der Verluste ist die Fotothek also immer noch von großem wissenschaftlichen Wert. Um sie auch im digitalen Zeitalter nutzbar und zugänglich zu halten, wurde sie im Verlauf der Jahre 2023 bis 2026 digitalisiert. Das Ziel dabei war es, die Fotothek so abzubilden, wie sie sich nach ihrer bewegten Geschichte in ihrem aktuellen Zustand präsentiert. Viele der Digitalisate zeigen daher sehr gut erhaltene Kartons mit Fotos in hervorragender Qualität. Auf anderen Scans jedoch sind Xerokopien zu sehen, die nach dem Brand zur Rekonstruktion des ursprünglichen Bestandes angefertigt wurden und das abgebildete Artefakt nur noch schlecht erkennen lassen. Wiederum andere Digitalisate zeigen Fotoabzüge, die noch nicht oder seit dem Brand nicht mehr auf Pappen aufgezogen worden waren. Bei einigen der Fotos – und entsprechend auch ihren Digitalisaten – fehlt darüber hinaus die originale Inventarnummer, weil diese seit dem Brand nicht mehr rekonstruiert werden konnte. 

Die Digitalisate wurden mit dem Scanner Epson Expression 1640XL erstellt und anschließend so gering wie möglich mit dem Bildbearbeitungsprogramm GIMP nachbearbeitet. Leicht angepasst wurde hierbei lediglich der Kontrast und die Helligkeit der Digitalisate. Zusätzlich wurde bei jeder Datei ein schmaler, schwarzer Rand als Rahmung des Kartons hinzugefügt. Von den Kartons wurden stets nur die Vorderseite mit dem aufgeklebten Fotoabzug eingescannt, diese jedoch vollständig und hochauflösend (1200 dpi). Die unbeschriftete Rückseite der Kartons wurden, um das Datenvolumen gering zu halten, nicht gescannt bzw. nur in denjenigen seltenen Ausnahmefällen, wo die Rückseite für weitere Notizen genutzt worden war (600–800 dpi).

Die Fotothek auf heidICON

Alle Digitalisate werden aktuell in heidICON, der Bilddatenbank der Universitätsbibliothek Heidelberg, eingepflegt und dabei mit Metadaten versehen, welche dem Fotokarton selbst und der Fotothek-Datenbank entnommen sind. Damit die Daten der Fotothek-Datenbank hierfür automatisiert übernommen werden können, werden sie zunächst aufbereitet, d. h. Abkürzungen werden den aufgelöst und Identifikationsnummern der Gemeinsame Normdatei (GND-ID) der Deutschen Nationalbibliothek hinzugefügt. Bei der Nutzung der oben zur Verfügung gestellten Fotothek-Datenbank und heidICON ist nun zu beachten, dass erstere die Daten zu allen Fotos der alten Fotothek enthält, während letztere nur den reduzierten Fotobestand nach dem Brand abbilden kann. Das beide Verzeichnisse verbindende Element ist die Foto-Identifikationsnummer der Art „63b20“. 

In der überwiegenden Mehrheit der Fälle ist es nicht gelungen, die Inhaber des Copyrights der einzelnen Abbildungen zu identifizieren, und genauso ist es unklar, welche Fotografin bzw. welcher Fotograf die Originalfotografien erstellt hat. Aufgrund dieser Unsicherheiten wird die digitalisierte Fotothek nicht öffentlich, sondern nur den Mitgliedern der Universität Heidelberg zugänglich sein. Die Bilder dürfen nur im Rahmen des Unterrichts und des Studiums verwendet, nicht an Dritte weitergegeben und nicht veröffentlicht werden.

Nach aktuellem Planungsstand soll die Fotothek ab Februar 2027 über heidICON zugänglich sein.

An der Digitalisierung der Fotothek beteiligte Personen

Die Digitalisierung der Fotothek war ein Unterfangen, das von mehreren Personen über viele Monate und schließlich Jahre hinweg getragen wurde. Die Leitung des Projekts lag bei Carina Kühne-Wespi und Fabian Wespi, ihnen stand Heike Heye beratend zur Seite. Die Digitalisate selbst wurden von Luca von Mallinckrodt, Fritzi Sauerteig, Xiaowo Liu und Vivien Schömel erstellt. Die Fotothek-Datenbank wurde von Fabian Wespi digital aufbereitet und mit Xiaowo Liu für die Nutzung in heidICON vorbereitet. Seitens der Universitätsbibliothek und heidICON wurde das Projekt von Nicole Sobriel begleitet.