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Neuedition des Mundöffnungsrituals

Das Projekt zur „Neuedition des Mundöffnungsrituals“ von Prof. Dr. Joachim F. Quack (Projektleitung), Dr. Barbara Engelmann-von Carnap und Dr. Victoria Altmann-Wendling (wissenschaftliche Mitarbeiterinnen) wurde als Leibnizpreis Projekt gefördert und lief von 2011–2018. Es befasste sich mit der komplexen Überlieferung eines wichtigen Ritualtexts zur „Initialisierung“ handwerklich hergestellter Objekte, das aufgrund seiner Verwendung für Statuen, Särge und Mumien auch für Bestattungsbräuche wichtig war.

Projektbeschreibung

Das Mundöffnungsritual wurde 1960 von E. Otto anhand von 87, v. a. aus Gräbern stammenden Textzeugen publiziert. Diese Publikation hat der Ägyptologie 50 Jahre lang gute Dienste erwiesen, erweist sich inzwischen aber zusehends als unzureichend, da sie weder in der Angabe der Lesungen vollständig zuverlässig ist noch eine real belegte Szenenabfolge abbildet. Eine komplette Neuedition wird deshalb an die Stelle der früheren Bearbeitung treten. Die Monumentalzeugen (insbesondere Gräber) sollen neu kollationiert werden, Detailstudien werden auch genauer über den Aufzeichnungszusammenhang und die Struktur der jeweiligen Szenenauswahl Aufschluß geben.

Unter den hieratischen Handschriften sind die wichtigsten Quellen der Papyrus der Sais und der Sarg des Butehamun, die zwar bereits bei Otto aufgeführt wurden, aufgrund zahlreicher Verlesungen jedoch bislang nur mit Vorsicht und unter Heranziehung der Faksimiles in Schiaparellis heute schwer zugänglicher Publikation zu benutzen waren. Sie werden nun mit Hilfe von guten Digitalphotographien oder am Original einer Kollationierung unterzogen. Des Weiteren sind insbesondere aus Tebtynis, aber auch anderen Fundorten, etliche (über 30) neue Textvertreter auf Papyrus aufgetaucht, die sich heute in den Sammlungen von Ann Arbor, Berlin, Dublin, Florenz, Kopenhagen, London, Oxford und Turin befinden und trotz ihres fragmentarischen Charakters bestehende Textlücken schließen können. Es ist vorgesehen, in der Publikation alle Papyri mit Photographien und digital erstellten Umschriften zu präsentieren; mindestens online sollen auch alle Monumentalversionen in Photo und/oder Umzeichnung zugänglich gemacht werden. Daneben wird es eine Synopse aller Textzeugen geben, ebenso Übersetzungen, welche in ihrer Vielfalt auch der sich wandelnden ägyptischen Eigenauffassung zu bestimmten Passagen gerecht werden.

Publikationen

  • V. Altmann-Wendling, Das Ritual ini.t-rd(.wi) und das Umlaufopfer. Zu neuen Fragmenten und unterschiedlichen Überlieferungssträngen des Mundöffnungsrituals, in: A. H. Pries (Hg.), Die Variation der Tradition: Modalitäten der Ritualadaption im Alten Ägypten; Akten des Internationalen Symposions vom 25.–28. November 2012 in Heidelberg, Leuven 2016, 91–131.
  • B. Engelmann-von Carnap, Zum Mundöffnungsritual im Grab des Padiamenope (TT 33), Bulletin de l’Institut Français d’Archéologie Orientale 118, 2018, 127–141.
  • J. F. Quack, Das Mundöffnungsritual als funerärer Text und als Tempeltext, in: B. Backes, J. Dieleman (Hrsg.), Liturgical Texts for Osiris and the Deceased in Late Period and Greco-Roman Egypt. Liturgische Texte für Osiris und Verstorbene im spätzeitlichen Ägypten. Proceedings of the Colloquium at New York (ISAW), 6 May 2011, and Freudenstadt, 18.–21. July 2012, Studien zur spätägyptischen Religion 14, Wiesbaden 2015, 145–159.
  • J. F. Quack, Fragmente eines Kommentars zum Mundöffnungsritual (Papyrus Berlin P 23070), in: N. Bosson, A. Boud’hors, S.H. Aufrère (Hrsg.), Labor omnia uicit improbus. Miscellanea in honorem Ariel Shisha-Halevy, Leuven 2017, 431–442.
  • J. F. Quack, Establishing Communication Channels. Remarks on the Rransmission of the Ritual of Opening the Mouth as (Not Only) Funerary Text, in: L. Weiss, N. Staring, H. Twiston Davies (Hrsg.), Perspectives on Lived Religion II, Leiden 2022, 71–80.