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Publikationsprojekte von Prof. Joachim F. Quack

Neben dem „Buch vom Tempel“ arbeitet Professor Joachim F. Quack aktuell an verschiedenen weiteren Publikationsprojekten. In der untenstehenden Übersicht werden sie alle kurz vorgestellt.

 

Demotische Grammatik

Das Demotische ist eine spezielle Schriftform des Ägyptischen, das durch starke Verkürzung älterer Zeichenformen entstanden ist und derzeit von etwa 650 v. Chr.–452 n. Chr. belegt ist. Gleichzeitig dient „Demotisch“ auch als Bezeichnung für eine mit der Verwendung dieses Schriftsystems meist zusammenfallende Sprachstufe des Ägyptischen, die historisch zwischen Neuägyptisch und Koptisch steht; tatsächlich sogar ohne scharfen Bruch im Rahmen eines größeren Kontinuums langsamer Entwicklung des jüngeren Ägyptisch steht. Die zunehmende Erschließung auch literarischer und religiöser Texte in dieser Sprach- und Schriftstufe macht Kenntnisse des Demotischen für Ägyptologen zunehmend wichtiger. Derzeit fehlt aber eine deutschsprachige Grammatik dazu, welche den aktuellen Forschungsstand widerspiegelt. Die in Arbeit befindliche demotische Grammatik, die derzeit als Skript im Unterricht getestet wird, soll diese Lücke schließen. Dabei wird Wert darauf gelegt, sprachliche Phänomene durch ausreichend konkrete Textbelege zu demonstrieren. Auch die diachrone Entwicklung soll im Blick behalten werden, indem Eigenheiten einzelner Phasen des Demotischen hervorgehoben werden.

Demotische Papyri der Heidelberger Papyrussammlung

Die Bestände des Instituts für Papyrologie der Universität Heidelberg stellen nach Berlin die zweitgrößte Papyrussammlung Deutschlands dar. In ihr befinden sich auch mehrere hundert demotische Papyri, von denen bislang erst ein kleinerer Teil publiziert ist. Es ist geplant, die publikationswürdigen Stücke in der Reihe „Veröffentlichungen aus der Heidelberger Papyrus-Sammlung, Neue Folge“ vorzulegen. Ein in Arbeit befindlicher erster Band soll u.a. sämtliche literarischen und religiösen Fragmente sowie Briefe, eine Grammatikübung, ein astrologisches Fragment, eine Traumaufzeichnung, ein Fragment mit Satzungen einer Kultgenossenschaft, eine Formularvorlage für Eheverträge, ein Dokument der Militärverwaltung sowie ausgewählte Verträge und Abrechnungen enthalten.

Beiträge zu den ägyptischen Dekanen und ihrer Rezeption in der griechisch-römischen Welt

Die Dekane sind Sterne bzw. Sterngruppen, die in Ägypten ursprünglich zur Zeitbestimmung in der Nacht verwendet wurden. Dabei waren sie insbesondere für osirianische Rituale und sekundär auch im Umkreis der Beisetzung wichtig, bei denen eine Nacht über zu jeder Stunde bestimmte Rezitationen mit Handlungen verbunden wurden. Zudem waren sie Bestandteil des Wissens über die Welt, und wurden über zugeordnete Schutzgottheiten auch in das Religiöse Weltbild eingebaut. Diese Studie legt den Fokus nicht auf die Frage der astronomischen Identifizierung, sondern auf Sinn und Funktion der Dekandarstellungen in ihren jeweiligen Zusammenhängen und Situierungen. Im zweiten Teil der Arbeit werden Quellen vor allem aus dem griechischen und lateinischen (teilweise auch arabischen und indischen) Bereich ausgewertet, welche entweder noch Wiedergaben konkreter ägyptischer Dekannamen enthalten oder zumindest über Wesen und Ikonographie der Dekane Aussagen machen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den älteren Quellen bzw. den ersten Bezeugungen der Thematik, während für die weitere Entwicklung Gundels ältere Studie nicht ersetzt werden soll. Insgesamt zeigt sich, dass die Rezeption der Dekane gerade diejenigen Bildtypen bevorzugt, welche mit den originär ägyptischen Traditionen am wenigsten zu tun haben. Auch die Überlieferung der Dekannamen ist in den erhaltenen Handschriften stark von Korruptelen geprägt. Die Arbeit wurde ursprünglich als Habilitationsschrift an der FU Berlin 2002 eingereicht und 2003 angenommen. Die gedruckte Fassung soll in der Reihe Orientalia Lovaniensia Analecta erscheinen.

Literatur:

  • W. Gundel, Dekane und Dekansternbilder. Ein Beitrag zur Geschichte der Sternbilder der Kulturvölker, Studien der Bibliothek Warburg 19, London 1936, ND Darmstadt 1969.
  • L. Kákosy, Decans in Late-Egyptian Religion, in: Oikumene 3, 1982, 163–191.
  • O. Neugebauer, R. A. Parker, Egyptian Astronomical Texts. I. The Early Decans, Providence/London 1960.
  • O. Neugebauer, R. A. Parker, Egyptian Astronomical Texts. II. The Ramesside Star Clocks, Providence/London 1964.
  • O. Neugebauer, R. A. Parker, Egyptian Astronomical Texts. III. Decans, Planets, Constellations and Zodiacs, Providence/London 1969.

Das Königsritual des Papyrus Brooklyn 47.218.50

Im Brooklyn Museum befindet sich ein späthieratischer Papyrus, der etwa in die Saitenzeit (oder wenig später) datiert. Er gehört zu einer großen Menge vorwiegend medizinischer und magischer Fragmente, die von Charles Edwin Wilbour im späten 19. Jahrhundert in Ägypten erworben wurden. Als Herkunftsort wurde früher auf der Basis relativ problematischer Argumente Heliopolis vermutet, neueste Forschungen deuten aber eher auf Elephantine hin. Der Papyrus Brooklyn 47.218.50 gehört zu den besterhaltenen Handschriften aus dieser Gruppe und überliefert ein Ritual zugunsten des Königs, von dem der erste Teil zu allen Festen der Erde durchgeführt werden soll, der hintere speziell an einigen Tagen im Umkreis des Jahreswechsels. Die vorderen Ritualszenen betreffen insbesondere die Reinigung, Salbung und Ausstattung mit Ornat sowie Puder, während es in den hinteren Szenen spezifischer um die Sicherung des Königserbes geht. Teile der Spruchformeln finden direkte Parallelen in verschiedenen hieroglyphischen Tempelinschriften, besonders in Edfu, Dendara, Philae, Elkab, Kalabscha und Musawwarat es-Sufra. Innerhalb der durchgeführten Opfer betrifft ein Abschnitt die Gottheiten des Grüftebuches („TB 168“). Der Papyrus wurde ursprünglich von Jean-Claude Goyon publiziert. Fortschritte in Lesung und Übersetzung sowie der Gesamtinterpretation machen eine Neuedition sinnvoll.

Literatur:

  • J.-C. Goyon, Confirmation du pouvoir royal au nouvel an (Brooklyn Museum Papyrus 47.218.50), BdÉ 52, Kairo 1972 sowie Wilbour Monographs 7, Brooklyn 1974.
  • J.-C. Goyon, Aspects thébains de la confirmation du pouvoir royal: les rites lunaires, in: JSSEA 13, 1983, 2–9.
  • J.-C. Goyon, Thèbes, Thot et la monarchie pharaonique après la IIIe période de transition. Fête de Thot du 19 du premier mois de l’année et rites de confirmation du pouvoir royal à Karnak, Edfou et Philae (I), in: Chr. Thiers (Hg.), Documents de Théologies Thébaines Tardives (D3T 2), CENIM 8, Montpellier 2013, 33–93.
  • L. Martzolff, Le rituel de la confirmation du pouvoir royal en images: le lâcher des oiseaux vivantes, in: J. F. Quack (Hg.), Ägyptische Rituale der griechisch-römischen Zeit, ORA 6, Tübingen 2014, 67–81.

Fragmente eines religiösen Kalenders mit Angabe der Tagesqualität

Der späthieratische Papyrus Brooklyn 47.218.118 überliefert Reste eines Kalenders, der für jeden Tag des Jahres die Schutzgöttinnen, die an diesem Tag gefeierten Götterfeste, durchzuführende Rituale, Schutzsprüche zugunsten des Königs, Angaben zur Tagesqualität sowie Prognosen für das Schicksal der an diesem Tag geborenen Menschen, sowie wenigstens teilweise auch meteorologische Angaben enthielt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es sich dabei um eine direkte Parallele zu einigen bereits publizierten oder in Vorberichten fassbaren Handschriften handelt.

Literatur:

  • J. F. Quack, Reste eines Kultkalenders (pBerlin 14472 + pStrasbourg BNU hier. 38 a und pBerlin 29065), in: V. Lepper (Hg.), Forschung in der Papyrussammlung. Eine Festgabe für das Neue Museum, ÄOP 1, Berlin 2012, 189–206.

Fragmente demotischer Tieromina

Die Ägypter haben, ähnlich wie die Mesopotamier, auch alltägliche Vorkommnisse der Umwelt beobachtet und daraus Schlüsse auf die Zukunft gezogen, was insbesondere Prognosen für Privatpersonen für die nähere Zukunft betrifft. Das substantiellste Handbuch, in dem Reste von wenigstens tausend derartigen Omina versammelt sind, ist auf einem demotischen Papyrus der Römerzeit überliefert, der mutmaßlich aus Soknopaiou Nesos stammt. Er ist nicht vollständig erhalten, aber zahlreiche Fragmente befinden sich in den Sammlungen von Aberdeen, Berlin, Brooklyn, London, Oxford und Wien. Darin erhalten sind insbesondere Prognosen über das Verhalten von Tieren sowie Körperkontakte zwischen Mensch und Tier, aber auch über das Brennverhalten von Lampen. In wenigstens einem Fall, der vermutlich Schlangen betrifft, spielt auch die kalendarische Situierung der Ereignisse eine Rolle. Die in Arbeit befindliche Edition wird sämtliche bekannten Fragmente des Papyrus mit Übersetzung und Kommentar publizieren und zudem eine Neuedition inhaltlich verwandter Fragmente in Kairo und Heidelberg liefern. Daneben sollen auch Vergleiche zu ähnlichen Kompositionen in benachbarten Kulturen gezogen werden.

Vorbericht: 

  • J. F. Quack, A Black Cat from the Right, and a Scarab on your Head. New Sources for Ancient Egyptian Divination, in: K. Szpakowska (Hg.), Through a Glass Darkly: Magic, Dreams, and Prophecy in Ancient Egypt, Swansea 2006, 175–187.

Die Namen des Horus

Zahlreiche Textzeugen überliefern in höchst unterschiedlichen konkreten Einbettungen eine Komposition mit Anrufungen an die zwölf Namen des Horus sowie vermutlich als nächtliche Komponente dazu die zwölf Namen des Osiris. Erhaltene Fassungen betreffen so unterschiedliche Anwendungen wie Schutzrituale für den König, Schutzrituale für Privatpersonen, funeräre Papyri, Entwürfe (königlicher?) Grabdekoration, Einbettung in liturgische Handschriften des Tempels, Monumentalisierung im Tempel im Pronaos und am Portal, Exzerpte an der Decke mit Einbettung in osirianische Verklärungen. Sie sind über erheblich mehr als tausend Jahre belegt; von der 19. Dynastie (ca. 1200 v. Chr.) bis ins 2. Jhd. n. Chr. Seit der ersten Studie von Annie Gasse sind wichtige weitere Versionen identifiziert worden, zudem sind auch für die bereits früher bearbeiteten Verbesserungen in der Lesung und Übersetzung möglich. Diese Studie steht im Rahmen des SFB 933 „Materiale Textkulturen“ und legt entsprechend einen Schwerpunkt auf die Bedeutung der einzelnen Fassungen in ihrer jeweiligen Situierung.

Literatur:

  • Gasse, La litanie des douze noms de Rê-Horakhty, in: BIFAO 84, 1984, 189–227.
  • J. F. Quack, Anrufungen an Osiris als nächtlichen Sonnengott im Rahmen eines Königsrituals (pBerlin 23026), in: V. Lepper (Hg.), Forschungen in der Papyrussammlung. Eine Festgabe für das Neue Museum, ÄOP 1, Berlin 2012, 165–187.